Was wurde eigentlich aus der Krankenschwester?

Wenn ich zuhause oder im Spital Pflege erhalte, treffe ich meist auf Pflegende mit verschiedenen Berufsbezeichnungen wie FAGE, Pflegefachperson HF oder FH etc. Wie unterscheiden sich diese Berufsgruppen voneinander und was sind ihre Aufgaben- und Kompetenzbereiche? Was heisst Skill & Grade-Mix? Was sind die Vorteile der Freiberuflichen Pflege für Patienten? Fragen über Fragen, wir schaffen Klarheit.

Ein Blick in die Geschichte der Pflege

Im Mittelalter (bis ca. zum 18. Jahrhundert) wurde die Pflege von Nonnen und Mönchen verrichtet und war anfänglich karitative, religiöse Arbeit. Daher kommt der Begriff «Schwester». Ab ca. 1850 (19. Jahrhundert) wurde durch die Reformerin Florence Nightingale, eine britische Krankenschwester, die moderne Krankenpflege begründet. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich dann die Bezeichnung "Krankenschwester" etabliert. Seit 2004 ist der Begriff "Krankenschwester" durch die heutige Bezeichnung «diplomierte Pflegefachfrau HF/FH»* abgelöst worden. Trotzdem wird der Begriff "Schwester" im klinischen Alltag noch oft von Patienten benutzt. Möglicherweise auf Grund des historischen und gesellschaftlichen Kontextes, meist jedoch mit der Begründung der Einfachheit, da Patienten schlichtweg keinen Überblick über die verschiedenen Berufsbezeichnungen haben, sowie die vielen Namen sich oft nicht merken können. Um einen Überblick zu schaffen, werfen wir einen Blick auf die heutigen Ausbildungen im Pflegeberuf.

Heutige Ausbildung in der Pflege

Ein Pflegeteam besteht heutzutage aus Fachpersonen mit unterschiedlichen Berufsabschlüssen. Es wird unterschieden zwischen der sekundären und der tertiären Bildungsstufe. Dieses Bildungssystem hat 2004 die Pflegeausbildung Diplomniveau I und II abgelöst. Vor dem Wechsel musste ein Alter von mind. 18 Jahren erreicht werden, um den Beruf der Pflege zu erlernen. Mit der Begründung, dass eine gewisse psychische und emotionale Reife vorausgesetzt wird. Auch rechtliche Gründe wurden aufgeführt, da viele Tätigkeiten als besonders sensibel galten (bspw. Umgang mit Medikamenten oder Intimsphäre). Volljährigkeit bedeutete volle Rechtsfähigkeit und Haftbarkeit. Wenn man heute eine Ausbildung in der Pflege machen will, kann direkt nach der obligatorischen Schulzeit, mit ca. 15/16 Jahren auf der sekundären Bildungsstufe damit begonnen werden.

Die Tertiärstufe bilden diplomierte Pflegefachpersonen mit einem Master (MScN), Bachelor (BScN) oder einem Abschluss der HF (höhere Fachschule) aus. Diese Stufe bietet den Fachpersonen die Möglichkeit für Zusatzqualifikationen wie Pflegeexperte/-in, Fachexperte/-in, Stationsleitung oder Berufsbildung. Zur Sekundärstufe zählen Fachpersonen Gesundheit FAGE) sowie Assistentinnen/Assistenten Gesundheit und Soziales (AGS).

Skill & Grad Mix- was heisst dies nun?

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, kam während der Bildungsreform im Jahr 2004/05, bei dem neue Berufsgruppen geschaffen wurden, der sogenannte Skill & Grade-Mix auf. Im klinischen Alltag bedeutet dies, dass Patienten von Personal mit unterschiedlichen Qualifikationen (engl.: Grade) und entsprechend unterschiedlichen Kompetenzen (engl.: Skills) gepflegt und betreut werden. Der Skill &Grade-Mix zielt darauf ab, die personellen Ressourcen optimal zu nutzen, eine hohe Pflegequalität zu erhalten und gleichzeitig Kosten zu reduzieren.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Ein Patient leidet unter Morbus Parkinson. Die Einschränkungen zeigen sich v.a. und meistens als erstes in der Bewegung. Dies führt schnell zu benötigter Hilfe bei der Körperpflege. Also wird eine Fachperson der Sekundarstufe II dafür eingesetzt. Die dipl. Pflegefachperson leistet «nur» punktuell Einsatz. Morbus Parkinson wird jedoch oft unterschätzt. Es ist ein komplexes Krankheitsbild, welches körperliche als auch psychische Veränderungen mit sich bringt. Oft sind diese nur schwer zu erkennen, sie kommen schleichend. Die Vorboten der verschiedenen Symptome sind breitgefächert. Um dies zu erkennen und geeignete Massnahmen abzuleiten, wäre der Einsatz der dipl. Pflegefachperson für alle Tätigkeiten am Patienten unabhängig von der Pflegetätigkeit gegeben. Gerade bei der Grundpflege kann viel beobachtet und zeitgleich vernetzt werden, bspw. mit den Medikamenten, Krankheitsentwicklung, etc. Eine ganzheitliche Pflege also. Jedoch wird dies im Skill&Grad Mix so nicht vorgesehen. Dieses Methode setzt voraus, dass ein Gleichgewicht gefunden wird zwischen ökonomischer Effizienz aber ohne Einbussen in der Pflegequalität.

Vorteile Freiberuflichkeit

Durch die Zunahme von ambulant durchgeführten Eingriffen, ist auch die Akutpflege durch die Spitex aufgrund früherer Spitalaustritte, komplexere Langzeitpflegefälle und eine vermehrte Individualisierung der Versorgung im Zusammenhang mit den veränderten Bedürfnissen der Patienten angestiegen. Diese erhöhte Komplexität benötigt dementsprechend qualifiziertes Fachpersonal.

Hier zeigt sich der Vorteil der freiberuflichen Pflege. Eine freiberufliche Pflegefachperson ist immer eine diplomierte Pflegefachperson. Da die Fachpersonen der Sekundarstufe II delegiert und unter der Verantwortung einer diplomierten Pflegefachperson oder Ärzte arbeiten, ist die freiberufliche Tätigkeit für diese Berufsgruppe nicht möglich.

Da eine freiberufliche Pflegefachperson, wie bereits beschrieben, immer eine Qualifikation auf der Tertiärstufe aufweist, arbeitet sie mit einer hohen Fachkompetenz und kann somit Pflege auf einem hohen Qualitätsniveau erbringen. Zudem hat sie weniger Zeitdruck, was eine intensive und ganzheitliche Betreuung möglich macht, die auf den Patienten massgeschneidert ist. Beziehung und Kontinuität schaffen Vertrauen und Sicherheit für die Patienten und ihre Angehörigen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit involviertem Fachpersonal oder Vermittlungsstellen ist direkt, was Effizienz mit sich bringt. Da keine Verwaltungskosten eines Pflegedienstes anfallen, sind die Kosten für Patienten transparent, insbesondere bei privat finanzierten Leistungen.

Verlinkung:

Faktenblatt Bildungsabschlüsse in der Pflege - BAG